Zum Thema Polyamorie

Das Thema „Polyamorie“ begleitet mich schon lange bevor es diesen Begriff dafür gab.

Am 31.8. habe ich interessiert die Sendung Markus Lanz gesehen.

Mich hat es sehr beglückt ein älteres Paar im Fernsehen zu erleben, die selbstbewusst und authentisch zu ihrer Liebesbeziehung Stellung beziehen und offensichtlich jenseits von Eifersucht und Missgunst dem Partner sein Glück gönnen. Auch wenn das Liebesglück, gepaart mit lustvoller Sexualität manchmal mit anderen Partnern stattfindet. Das zeugt von großer Lebenserfahrung und Weisheit.
Es freut mich zu sehen, das Polyamorie, sowie „Sex im Alter“ in den Medien behandelt wird.

Selbst habe ich verschiedene Beziehungsmodelle gelebt und ausprobiert. Polyamore, monogame langjährige, eine Mischform aus beiden, in Wohngemeinschaften, Gemeinschaften die größer waren und zu zweit. Die Fragen, die sich aufwerfen sind egal in welcher Form sich die Beziehung gestaltet, immer die gleichen.
Neben den erfüllenden und berührenden Situationen gibt es auch die Schattenseite. Dann wird es in einer Beziehung spannend, wenn der erste Liebesrausch vorüber gezogen ist. Dann entscheidet sich wie die Partner in der Lage sind sich selbst zu reflektieren und den Partner als Spiegel anzunehmen, ohne ihn zu bewerten, zu bevormunden, oder sich im Recht zu sehen.

Wenn ich eifersüchtig werde, woran liegt das? Wenn ich vom Partner abgelehnt werde, warum?
Ich habe es auch erlebt, das mein Partner, wenn er von einer anderen Frau kam, so im Licht und der Liebe war, das es sich unmittelbar auf mich übertragen hat.
Wenn ich darauf eifersüchtig und gemein reagiert habe, habe ich diesen Raum sofort zerstört und auch die Liebe zwischen uns. Ich habe in ihm Angst erzeugt, bzw. meine eigene Verlustangst auf ihn übertragen.
Außerdem hängt es auch davon ab, wie liebesfähig, großzügig und offen ich selber bin.

Ich kann nicht 100% behaupten, das ich frei von Eifersucht bin. Jedoch praktiziere ich mittlerweile eine intelligentere Form im Umgang damit, als der, die Eifersucht blind auszuagieren.
Ich kann bei mir bleiben, darüber sprechen und bei mir genauer hinschauen, was dieses Gefühl verursacht. Meistens hat das gar nichts mit dem Moment zu tun, sondern kommt aus alten Verletzungen und Gedankenmustern.
Z.b.: „Mir fehlt etwas, wenn er zu einer anderen geht.“
„Ich werde nicht mehr geliebt, wenn das passiert.“
Ich fühle mich minderwertig, weil die andere wohl etwas hat, was ich nicht habe.“

Es ist vermessen zu glauben, das ich als Frau alle Aspekte dessen, was ein Mann an Frauen liebt, abdecken kann.
Sowie ein Mann unmöglich alles abdecken kann, was ich an Männern liebe. Bislang war das Modell des guten Freundes, des Mitarbeiters, des Kollegen usw. akzeptiert, solange es nicht zum Sex kommt.
Warum soll diese schöne Energie unterdrückt werden?
Macht es wirklich einen Unterschied, wenn das Verlangen unterdrückt wird, anstatt es frei auszuleben?
Es macht dann einen Unterschied, wenn dadurch eine entweder – oder – Situation entsteht.
Wenn sich Partner an der Stelle verhaken, zuhause die Hölle wartet, wenn der Partner oder die Partnerin von einer lustvollen Begegnung nachhause kommen, hat das entweder die Trennung zur Folge oder es findet heimlich statt.
Eine spontane Begegnung muß nicht gleich das ganze bisherige Leben in Frage stellen. Sie kann für sich stehen und auch wieder losgelassen werden. Es ist gut zu durchschauen, das eine momentane Faszination eine lang gewachsene Partnerschaft nicht ersetzt.

Wir haben es nicht gelernt auf das Glück des anderen mit Freude zu reagieren oder sich davon anstecken zu lassen.
Verletzungen sind immer schon vorher dagewesen, es sei denn es geht um körperliche oder seelische Gewalt. Aber das soll jetzt hier nicht das Thema sein.

Ich meine Verletzungen, die angstbesetzt sind, wie z.B. vom Vater verlassen, verbal gedemütigt oder herabgesetzt worden zu sein, nicht genügend Leistung gebracht zu haben oder wenn das Kind als anderes Geschlecht hätte geboren werden sollen.

Eine intakte Beziehung kann auf jedenfall auch dazu beitragen, alte Verletzungen zu heilen.
Das Fundament hierfür wird über Kommunikation und Wohlwollen gebaut. Kein Partner ist der Heilsbringer, der Erlöser, wie es in der romantischen Liebesvorstellung vorgegaukelt wird und alle Probleme lösen sich von selbst.

Es gibt auch keine ideale Heransgehensweise. Der Weg dorthin hat mit Rückfällen, Erkenntnissen und Auseinandersetzung zu tun und auch mit der Zeit, die dafür eingeräumt wird.
Oftmals trennen sich Partner, weil sie sich kaum sehen und sich fremd geworden sind.

In jedem Falle liegt die Lösung, darin wie bewusst ich in der Lage bin damit umzugehen und Entscheidungen aus dem Herzen zu fällen.
Wie ich in der Lage bin, mein Herz zu öffnen, offen zu halten, auch wenn möglicherweise der Schmerz kommt.
Liebe hat dann eine Chance wenn sie frei ist, d.h. präsent, gebend und lebendig.

Dafür ist jeder Mensch selbst für sich verantwortlich. Es fängt mit Selbstliebe, Selbstannahme, Selbstwert, Selbstvertrauen an und geht dann über in höhere Bewußtseinsstufen.

Mir gefallen aktive, selbstbewusste, lebendige, kreative Männer.
Als Frau möchte ich vom Mann gewertschätzt und gesehen werden, genauso wie ich das dem Mann entgegenbringe. Das ist die Voraussetzung das Vertrauen untereinander entsteht. Genauso wie die Bereitschaft zur konstruktiven Auseinandersetzung. Auch das kann ein Höhenflug sein und Ekstase verursachen, wenn die Erkenntnis kommt, etwas verstanden zu haben. Es entsteht dadurch Leichtigkeit und Hingabe.

Herzlichst
Bettina Dornics