Wir brauchen Berührung

Wir sind mit einem genialen Körper ausgestattet. Um ihn gesund zu halten brauchen wir auch körperliche Berührung. Das ist ein Grundbedürfnis, welches für unsere innere Balance von großer Wichtigkeit ist. In unserer Gesellschaft ist der sexuelle Kontakt oftmals mit Unkenntnis und Leistung behaftet. Der Druck zum Orgasmus zu kommen und dann noch möglichst gleichzeitig, wenn es um eine Vereinigung zu zweit geht, ist enorm. Es könnte ja auch „Orgasdarf“ heißen, anstelle von Orgasmus. Zeit für Berührung nehmen sich die Wenigsten. Warum eigentlich? Der Ausreden sind da viele: Arbeit, Kinder, das ganze gestresste Leben. Und genau das macht uns krank.

Absichtslose Berührung

Als soziale Wesen können wir Berührungen in vielfältigster Ausprägung miteinander teilen. Lassen wir mal die Vorstellung beiseite, dass auch intime Berührungen immer in Sexualität münden müssen.

Ich selbst habe vor kurzem eine Yonimassage erhalten, die sehr zart war. Sie war weder stimulierend noch erregend, jedoch konnte ich die Energie bis in mein Kronenchakra spüren. Die Berührung war aufmerksam und liebevoll. Sie war im Kontakt, absichtslos und sehr nährend. Mich hat das entspannt und erfrischt. Auch Tage danach fühle ich mich noch genährt und spüre mein Kronenchakra.

Welch eine Befreiung von Zwang und vorgefertigten Verhaltensmustern, wenn wir in der Lage sind absichtslose Berührung zu geben und zu empfangen. Ich brauche mir nicht mehr die Frage zu stellen, ob ich es mit einem potenziellen Liebespartner oder einer Liebespartnerin zu tun habe. Ich gehe in der Berührung nur soweit, wie es stimmt, d.h. wie weit ich in der Lage bin zu spüren und mich zu öffnen. Dadurch sind unendlich viele Variationen möglich.  Keine gleicht er anderen und ist somit auch nicht wiederholbar. Das kann vom Kuscheln in Kleidern, über eine Massage in Nacktheit, bis hin zur sexuellen Vereinigung gehen. Wenn ich berührbar bin und überhöhte Erwartungen beiseite lasse, ist viel möglich und es ist eine lebendige Forschungsreise.

Absichtslose Berührung ist vor allem mit Kindern wichtig. Sie lieben es berührt zu werden, in nahem Körperkontakt zu sein und sind dabei sehr unbefangen. Ein pubertierender oder erwachsener Mensch darf das nicht missverstehen. Er ist ganz klar herausgefordert, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und sie nicht dem Kind überzustülpen. Das gleiche gilt auch für Erwachsene untereinander.

„Bedürftigkeit“ – versus – „Für die eigenen Bedürfnisse einstehen“

Bedürftigkeit ist ein infantiler Zustand, der bei Erwachsenen sehr verbreitet ist. Die meisten Beziehungen sind darauf begründet. Das wäre auch weiter nicht schlimm, wenn es ein bewusster Zustand wäre. Leider ist dem nicht so. Als Kind gab es nicht genug Zuneigung, Wärme und Geborgenheit. Der Hunger danach fokussiert sich auf andere Erwachsene, die dann dafür herhalten sollen, dieses Faß ohne Boden zu füllen. Wenn sich zwei Bedürftige finden, klammern sie sich aneinander, immer in der Hoffnung, dass der eigene Mangel aufhört. Aber von selbst passiert das nicht!

Ein geistig gereifter Mensch kennt seine Bedürfnisse und findet Mittel und Wege, sie sich zu erfüllen. Dabei meine ich nicht kompensiertes Konsumverhalten, sondern echte, nährende Zuwendung. Entweder bin ich in der Lage mir selber etwas Gutes zu tun oder, im Falle eines Berührungswunsches, gehe ich auf einen anderen Menschen zu. Ich formuliere klar was ich mir wünsche und dieses potenzielle Gegenüber hat dann die Wahl darauf einzugehen oder nicht. Mein Glück hängt nicht von dieser einen Person ab, sondern wenn ich ein „Nein“ bekomme, ziehe ich weiter. Ich lasse mich auch gerne massieren, indem ich einfach dafür bezahle.

Traumatisierung auflösen

„Traumatisiert sein bedeutet, verdammt zu sein zu einer geistigen Endlosschleife unerträglicher Erfahrungen.“
(Dr.Onno van der Hart, Prof. für Psychopathologie und Trauma, Universität Utrecht)

Spätestens als erwachsene Menschen sind wir herausgefordert, unsere Ängste anzuschauen. Im Falle von Traumatisierungen, die wir alle mehr oder weniger erfahren haben, gibt es verschiedenste Möglichkeiten oder Therapien, um damit konstruktiv umzugehen und sich helfen zu lassen. Es nützt uns nichts, uns als ewiges Opfer zu deklarieren.

Peter A.Levine beschreibt in seinem Lebenswerk „Sprache ohne Worte“ nach den neuesten Erkenntnissen aus Gehirnforschung, Neurobiologie und integrativer Body/Mind-Medizin, wie unser Körper Traumata verarbeitet und uns in die innere Balance zurückführt.

Je mehr ich meine Körperfunktionen, die Entstehung meiner Gewohnheiten und Verhaltensmuster verstehe, umso mehr bin ich in der Lage, selbstbestimmt zu entscheiden was ich fühlen und tun möchte. Ich habe die Wahl zu reagieren oder nicht zu reagieren.

Viel Spaß auf der Forschungsreise zu Dir selbst !

Herzlichst
Bettina Dornics