Was ist Reflexion?

Was ist Reflexion?

In Gesprächen, vor allem mit meinen männlichen Freunden, kam die Frage auf: „Was ist Reflexion ?“ Sie meinten, Reflexion würde von dem Verstand ausgehen.
Reflexion ist bewusster, als der Verstand.

Eckart Tolle schreibt über den Verstand in seinem Buch „Jetzt“:
„Der Verstand sucht immer danach, das Jetzt zu vermeiden und ihm zu entkommen.
Mit anderen Worten, je mehr du mit dem Verstand identifiziert bist, um so mehr leidest du.
Der Verstand kann ohne Zeit, ohne Vergangenheit und Zukunft nicht funktionieren und in Kontrolle bleiben und nimmt deshalb das zeitlose Jetzt als bedrohlich wahr. Zeit und Verstand sind in Wahrheit untrennbar. Ja, wir brauchen den Verstand wie auch die Zeit, um in dieser Welt zu funktionieren, aber es kommt der Punkt, an dem sie von unserem Leben Besitz ergreifen, und da beginnen Krankheit, Schmerz und Kummer.
Wann immer du den Verstand beobachtest, entziehst du den Gedankenformen Bewusstsein. Und dass wird dann zu dem, was wir Beobachter oder Zeuge nennen. Dadurch wird der Beobachter – der reines Bewusstsein jenseits aller Form ist – stärker, und die mentale Struktur wird schwächer.“ Zitat Ende

Reflexion heißt, mir über meine Gefühle, die Gedanken die das Gefühl erzeugen, meinen momentanen Zustand, gewahr zu sein. Diesen Zustand zu reflektieren, bevor ich in die Reaktion gehe. Mich zuerst berühren zu lassen und zu orten, wo ich mich innerlich befinde.
Ich welcher Zeit bin ich? Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft?
Das heißt auch ein feines Hinspüren, um differenzieren zu können, wo bin ich z.B. im Schmerz und wo rutsche ich ins Selbstmitleid. Durch Reflexion bleibe ich in meiner Handlungsfähigkeit und bin frei vom Opfertum.
Nicht die Gefühle bestimmen mich, sondern ich habe die Wahl, welche Gefühle ich zulasse, wo ich weitergehen möchte oder ich nehme zur Kenntnis, wo ich noch zu lernen habe.
In einer Liebesbeziehung ist Reflexion unerlässlich, da ich meinen Liebespartner dadurch weder verletze, noch im Affekt anschreie, noch ihm versuche die Schuld in die Schuhe zu schieben.
Ich höre auf mein Herz, welches mir untrüglich sagt, wo es langgeht.
So kann ich in der Liebe und im Mitgefühl bleiben, auch wenn ich mich in einer Situation befinde, mit der ich erstmal nicht einverstanden bin.
Außerdem bin ich klar und bewusst und kann in Ruhe mitteilen, was ich zu sagen habe. Ich strahle zurück und spiegele dem anderen, indem ich sage, was sein Verhalten mit mir macht.
Sollte mich dennoch mal die Wut ergreifen, ist es nicht mehr als ein reinigendes Gewitter.

Eckart Tolle: „Nur wenn du fähig bist, ohne Gedanken bewusst zu sein, kannst du deinen Verstand kreativ nutzen. Die einfachste Art, in diesen Zustand zu gelangen, ist durch den Körper. Wann immer eine Antwort, eine Lösung oder eine kreative Idee gebraucht wird, höre auf zu denken, indem du deine Aufmerksamkeit auf dein inneres Energiefeld richtest. Werde dir der Stille bewusst. Wenn du wieder mit dem Denken beginnst, wird es frisch und kreativ sein. Mache es dir zur Gewohnheit, bei jedem Denkvorgang alle paar Minuten zwischen dem Denken und einer inneren Art von Zuhören, einer inneren Stille zu wechseln. Man könnte sagen: Denke nicht nur mit dem Kopf, denke mit deinem ganzen Körper.“

Bei Wikipedia heißt es:
Mit Reflexion in der Pädagogik ist das Nachdenken über eine vergangene pädagogische Situation aus Sicht der Lehrkraft gemeint, die damit noch einmal von allen Seiten beleuchtet und untersucht wird, um sie besser zu verstehen und bewusst aus ihr zu lernen.
Während der Ausbildung (Erzieherausbildung, Studium der Sozial-, Behinderten-, Heil- oder Schulpädagogik u.ä.) geschieht die Reflexion schriftlich oder im Gespräch mit den Ausbildern anschließend an eine bestimmte Situation. Aber auch im Unterricht oder im Seminar werden Erfahrungen und Erlebnisse reflektiert. In der Arbeitssituation findet die Reflexion mit den Teamkollegen statt. Je genauer die Situation, um die es geht, wahrgenommen und in ihren Einzelheiten beobachtet wurde, desto gründlicher und sinnvoller kann die Reflexion ausfallen.