Universelle Liebe

Seit einigen Wochen bin ich fast durchgängig in einem Zustand von Glück, innerer Ruhe und einer unermesslichen Liebe, die nicht an eine Person gebunden ist.
Ich nenne diesen Zustand universelle Liebe. Das trifft es am besten.
Das schöne daran ist, das dieser Zustand auf alle überfließt, die mir begegnen und dafür offen sind. Die Begegnungen mit anderen Menschen sind freundlich und wohlwollend.
In meiner Massagetätigkeit beseelt mich das im besonderen, da ich da das Medium habe diese Liebe über die Hände in die Berührung fließen zu lassen.

Wie bin ich da hingelangt?
Seit zwei Jahren mache ich kontinuierlich tiefer gehend die Erfahrung von körperlicher Liebe.
Das ist die Verschmelzung zweier Körper in Ekstase, die weit über diese zwei Personen hinausgehen. Es ist intim, nah, pure Liebe und dennoch auch ab einem bestimmten Punkt unpersönlich. Dann wenn sich alles entgrenzt und über eine langen Zeitraum das Reiten auf einer Orgasmuswelle stattfindet. Auch der Blick in die Augen des Geliebten wird unpersönlich, es ist der Blick in die Augen des göttlichen, universellen Gegenübers.
Tantrisch würde ich sagen es ist die Begegnung von Shakti mit Shiva.
Diese Begegnung ist absolut frei von jeglichem Beziehungsmodell, wie z.B. dem romantischen Liebesbild, Monogamie oder Polyamorie oder was auch immer. Jegliche Definition ist hinderlich.
Diese Begegnung lässt sich weder festhalten, noch einpacken, noch konservieren. Diese Begegnung ist absichtslos und frei von Bedürftigkeit.
Die Voraussetzung für diese Öffnung des Herzens, der Yoni und des ganzen Körpers ist Vertrauen und braucht Mut sich in aller Verletztlichkeit zu zeigen. Außerdem braucht es einen durchlässigen Körper in dem die sexuelle Energie fließt und nach oben bis über das Kronenchakra aufsteigen kann.
Eine weitere Voraussetzung ist Bewusstsein, Nüchternheit und die richtige Vorbereitung.

Das ist ein Paradoxum an sich. Ich bereite mich auf die Begegnung vor, ohne etwas bestimmtes zu erwarten.
Ich bereite mich vor in dem bestmöglichen Zustand zu sein. D.h. ausgeruht, mit offenem Herzen, wohlriechend, in Freude. Ich überlege was ihn an Speisen und Getränken erfreuen könnte. Ich gestalte den Raum. Schon in der Vorbereitung fängt die Erfüllung an.

Ich beschreibe einen Kontakt, der mittlerweile seit zwei Jahren anhält und eher selten stattfindet.
Zuerst wollte ich diesen Mann für mich, so wie ich es gewohnt war, wenn ich mich verliebt hatte. Oder ich hatte mich arrangiert, den Mann zu teilen, wenn ich mit der oder den anderen Frauen in gutem Kontakt war. Das hat es mir erleichert, auch weil ein Maß an Kontrolle dabei war. Ich konnte die Beziehung einordnen, abchecken was ich zu erwarten und was ich nicht zu erwarten hatte.
Jetzt ist mir ein Mann begegnet, der auf nichts aber auch auf gar nichts zutraf, was ich bisher kannte oder worauf ich mich verlassen hatte.
Ich kam mehr und mehr ins Schlingern und fuhr die Achterbahn der Gefühle hoch und runter. Alle Bemühungen meinerseits irgendetwas verstehen zu wollen, haben bei ihm nur Abwehr ausgelöst.
Neben allem hatten wir immer wieder diese göttliche, körperliche Verschmelzung.

Wenn er ging fing ich nach spätestens zwei Tagen, nachdem der Glücksrausch verflogen war, an zu schmachten und war mit meiner unerfüllten Sehnsucht konfrontiert. Ich schaute darauf, von dem ich dachte was mir fehlt und habe mich darin immer weiter eingegraben.

Noch nie zuvor war ich so in der Lage mich einem Mann zu öffnen und hinzugeben.
Das ist ja durchaus begrüßenswert und auch ein Teil der Ernte durch jahrelange Körper – und Bewußtseinsarbeit, Reflektion, Gespräche mit den Freundinnen, Erkenntnisse usw.

Der Haken war nur, das ich aus ihm einen Erlöser gemacht habe. Der Erlöser, der jetzt endlich mich meint und mich so annimmt wie ich bin. Aber wovon nur, sollte er mich erlösen? Von meiner Vergangenheit?

Ich habe etwas auf diesen Kontakt draufgepackt, was ihn schwer gemacht hat.
Auch eine längere gemeinsame Reise hat das nicht verändert.

Mehrmals hing unsere Liebe an einem seidenen Faden.

Es hat sich erst geändert, als ich mich für die Fülle bedankt habe, bei allem was mir begegnet. Die wundervollen und verbindlichen Freundinnen und Freunde, mein Massageteam, meine Arbeit, manchmal ein Lächeln auf der Straße, welches erwidert wird, mein zuhause, die Meisen die morgens auf die Terrasse zum Futtern kommen, die Abendsonne und vieles mehr. Ich wurde von morgens bis abends fündig und die Dankbarkeit ging über in pure Lebenslust. Ich habe meine Aufmerksamkeit woanders hingelenkt und habe mich selbst erlöst von alten Anhaftungen und Gewohnheiten.
Ich konnte mich mehr und mehr für den Moment öffnen und mich darin auftanken. Ich wurde aktiver, gebender und kontaktfreudiger. Mein Leben ist so erfüllt, das es keinen Raum mehr zum Schmachten gibt.

Die Sessions, die ich gebe haben sich auch vertieft und es entstehen magische Momente der Berührung, der Heilung und der Lust.

Der Kontakt zu diesem Mann hat sich durch meine innere Haltung verändert. Ich kann ihn jetzt loslassen, wenn er geht und ihn freudig empfangen wenn er wieder kommt. Ich kann ihn so sein lassen wie er ist, auch wenn ich manches nicht verstehe.
Dazwischen passieren viele andere Erlebnisse und Begegnungen, die in sich auch wieder einzigartig sind und zu meinem Leben gehören.

Ich habe erkannt das Liebe ein gebender Zustand ist, der sich aus mir heraus kreiert und nicht gebunden ist an ein Gegenüber.
Begegnen sich liebende Menschen ist es göttlich und sie lassen sich in Freiheit auch wieder ziehen.
Liebe heißt nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, sondern es ist auch Auseinandersetzung.
Allerdings ist die Auseinandersetzung gepaart mit Wohlwollen und Achtsamkeit.
So ist es auch möglich die ein oder andere Hürde zu nehmen.

Herzlichst
Bettina