Sex und Herz

Es erschüttert mich immer wieder auf’s Neue mit welcher saloppen Oberflächlichkeit das Thema Sexualität in der Öffentlichkeit behandelt wird.
Vor kurzem war ich in einer Talk Show als Zuhörerin zum Thema „Sex und Herz“ und ich dachte: “Oh, da geht es mal in die Tiefe.“ Leider wurde auch hier mehr in Verallgemeinerungen darüber gesprochen, als über die tatsächliche Verbindung von Sex und Herz, was auch ein sehr persönliches Thema ist.
Warum ist das so und fast überall anzutreffen? Auch in der recht offen wirkenden Berliner Szene, in der es ein großes Experimentierfeld unterschiedlichster sexuellen Neigungen gibt. Fast niemand lässt sich in die Karten schauen, sondern versteckt sich hinter einer Fassade oder Maske.
Da ich neugierig und interessiert bin, Neues kennen zu lernen, gehe ich manchmal in herausfordernde Gefilde, um zu schauen ob es mich inspiriert und ggf. auch erfüllt.
Ich bin oft schon großartig unterhalten worden, aber die tiefere Berührung blieb meistens aus.
Warum ist tiefe Berührbarkeit so schwer zu finden?
Zu tiefer Berührbarkeit gehören Offenheit, Anteilnahme, Lebendigkeit, Liebe, Mitgefühl und Achtsamkeit. Stattdessen stellen sich die verschiedensten Ängste in den Vordergrund. Angst vor Nähe und Intimität, Angst vor Enttäuschung und Ablehnung, Angst vor Demütigung, Angst vor Peinlichkeit, Angst vor Gewalt, Angst vor Versagen, um ein paar Beispiele zu nennen.
Die Angst hält uns davon ab, uns zu zeigen, wie wir sind. Sie lähmt uns. Und oftmals spüren wir die Angst gar nicht. Sie ist als ein Grundgefühl vorhanden, an das wir uns so sehr gewöhnt haben, dass sie uns entweder zu Übersprungshandlungen oder zur Zurückhaltung zwingt, bis hin zur Ohnmacht.
Wer kennt das nicht, wenn eine begehrenswerte Frau oder ein begehrenswerter Mann im Raum ist, wie sich sofort die Verhaltensmuster verselbständigen, die eine adäquate Kontaktaufnahme unmöglich machen.
In solchen Momenten spielt sich enorm viel ab. Bedürfnisse und Projektionen vermischen sich mit alten Erfahrungen und es entsteht ein Nebel, aus dem heraus wir dann agieren oder uns verstecken.
Es hat uns auch niemand beigebracht wie man mit solchen Situationen, absichtslos, wissend und selbstbewusst umgeht.
In den bald folgenden Artikeln gehe ich näher darauf ein, wie wir das verändern können, auch wenn wir schlimme Verletzungen erlitten haben. Es gibt die Möglichkeit selbstbestimmt und intensiv zu leben.

Herzlichst

Bettina (Yonitalk)