Lösung von Traumata im Genitalbereich und die Verbindung zum Herzen wieder herstellen


Sexuelles Wissen ist auch heute noch tabubehaftet

Obwohl wir in einer verhältnismäßig freizügigen Gesellschaft leben ist ein offener Umgang mit Sexualität tabubehaftet. Es ist uns in der Pubertät nicht beigebracht worden, wie wir wissend und liebevoll mit unserer Lust, unserem Körper umgehen können. Der authentische, erfüllende, sexuelle Kontakt zu möglichen Liebespartnern bleibt einer gewissen Ahnungslosigkeit überlassen und findet somit kaum statt. Wo soll das Wissen auch herkommen? Unsere Eltern und Großeltern hatten das Wissen ja auch nicht und hatten durch die Weltkriege erschwerte und äußerst traumatisierende Bedingungen. Heutzutage ist durch das Internet der Zugang zu sexuellen Bildern und Pornographie uneingeschränkt möglich. Jugendliche werden mit diesen Bildern überflutet.Wie aber ein Zugang zu einem authentischen, liebevollen Kontakt aussieht und wie sich daraus ein sexueller Kontakt entwickeln kann, der eine Feinheit in der Annäherung enthält, wird nicht gezeigt.
Pädophilie ist nach wie vor weit verbreitet. Das Ausagieren des sexuellen Triebes von Seiten der Täter ist nur dann möglich, wenn ihm die Unschuld von Kindern begegnet. Oftmals sind die Täter selbst Opfer und bleiben in dieser Spirale der Ohnmacht hängen.

Unsere Geschichte prägt uns

Wir sind geprägt von unserer persönlichen, sowie gesellschaftlichen Geschichte.
Unsere Geschichte prägt uns in unseren Verletzungen und in unseren Stärken. Ob wir uns weiterhin als Opfer identifizieren oder uns zu Experten machen, unsere Traumata zu transformieren, ist unsere Entscheidung. Moshé Feldenkrais hat dazu in seinem Buch „Bewusstheit durch Bewegung“ im Vorwort geschrieben: „Vererbung, Erziehung und Selbsterziehung sind die drei Überzeugungen, die den Menschen prägen. Demzufolge ist der Mensch Gegenstand und Opfer einer repressiven Erziehung und muss sich erst seiner selbst bewusst werden, wenn er wirklich Mensch sein will.“
Wir werden aus der sexuellen Begegnung unserer Eltern gezeugt und sind sexuelle, empfindsame Wesen. Das ist unser Geburtsrecht. Jedoch fängt da das Dilemma schon an. Manchmal sogar schon im Mutterbauch. Unglückliche Schwangerschaften geprägt durch Gewaltausübung, versuchte Abtreibungen, Unfälle oder Krankheiten können schon das Ungeborene traumatisieren. Übergriffe, wie Schläge, sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, Ignoranz im Säuglingsalter und in der Kindheit tun den Rest. Verminderte Empfindsamkeit im Genitalbereich, Einschränkungen oder Störungen in der Sexualität und der Orgasmusfähigkeit sind die nachhaltigen Folgen. Das begegnet mir seit langem in meiner täglichen Praxis als Tantramasseurin. Mehr oder weniger sind wir alle davon betroffen.

Unsere Lebensenergie ist betroffen

Da es unsere zentrale Lebensenergie betrifft, bahnt sich der sexuelle Trieb oftmals im verborgenen die Bahn und zeigt sich pervertiert, ohne Mitgefühl und Liebe.
Der Intimbereich unseres Körpers und das Herz führen ein voneinander getrenntes Leben. Beziehungen scheitern daran, wenn Partnerin oder Partner nicht in der Lage sind, zu erkennen was sie wollen und was sie nicht wollen. Die geschehenen Ereignisse bleiben im Dunkeln und sind abgespalten aus unserer Gegenwart. Sie werden sogar oftmals geleugnet, da es daran keine Erinnerung mehr gibt. Das es aus dem Gedächtnis verbannt wurde, macht das Trauma aus. Im Kindesalter ist das überlebensnotwenig. Ein Kind hält den Schmerz nicht aus.
Die Verdrängung ist allerdings nicht die Lösung. Es sind nicht nur Schmerzen und Todesangst verdrängt worden, in die Kinder sehr leicht kommen, wenn ihr Vertrauen missbraucht wird und sie nicht geschützt sind, sondern auch ein Großteil unserer Empfindsamkeit und Lebendigkeit. Als Erwachsene sind wir wesentlich stärker und in der Lage unsere Prägungen anzuschauen, zu fühlen und zu bearbeiten.
Es gibt verschiedenste Wege zur Menschwerdung und auch zu einer gesunden Sexualität. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, den entsprechenden Weg zu beschreiten. Ich höre oft: „Ich habe keine Zeit, ich habe so viele Verpflichtungen, ich muß mich um andere kümmern“, oder: „Es ist noch nicht dran.“
Auf was wollen wir warten? Bis uns die Krankheiten aufgefressen oder umgebracht haben? Die körperlichen und seelischen Schmerzen zur Gewohnheit geworden sind? Wir uns weiterhin demütigen lassen und in destruktiven Beziehungen leben? Uns für andere aufopfern, bis von uns selbst nichts mehr übrigbleibt?

Sich zu öffnen ist eine bewusste Entscheidung

Es liegt an jedem einzelnen das Herz zu öffnen, den Geist zum Erwachen zu bringen und in sich Ruhe, Frieden und Glück zu etablieren. Die wenigsten schaffen es alleine. Es braucht Geduld und liebevolle Selbstannahme. Professionelle Hilfe kann sehr unterstützend sein, wenn ihr die Entscheidung zugrunde liegt, sich verändern zu wollen. Die Sehnsucht nach einer erfüllenden Sexualität ist bei vielen groß. Das kann eine starke Motivation sein, sich die eigenen Abgründe und Ängste anzuschauen und fühlbar zu machen. Unser Körper ist so genial, das er in sich alles abgespeichert hat, was das Bewusstsein verdrängt hat. So können wir über den Körper die Erinnerung an verdrängte Gefühle ans Licht holen. Alles was wir erinnern, können wir integrieren. Bleibt es in Vergessenheit oder Verdrängung werden wir unbewusst davon regiert, ob wir wollen oder nicht. Somit leben wir in der Vergangenheit und übernehmen nicht die Verantwortung für unser Handeln in diesem Moment.

Therapie kann hilfreich sein

Eine Psychotherapie oder andere Form der Gesprächstherapie kann zu Beginn hilfreich sein, sich den traumatischen Erlebnissen anzunähern. Es braucht Behutsamkeit und die Gewissheit die erforderlichen Schritte aus eigenem Antrieb zu machen. Immer, wenn wir einem Widerstand in uns begegnen, kann das ein Wegweiser sein und wertvolle Informationen enthalten. Die gebundene Energie kann nach und nach wieder freigesetzt werden.
In der Therapie kann es eingetreten sein, dass wir im Geist schon einiges aufgedeckt und reflektiert haben und dabei merken, dass die Lust im Körper noch nicht voll erwacht ist. Es kann auch ein unbestimmtes Gefühl sein, das im Genitalbereich noch mehr entdeckt oder integriert werden möchte. Dann kann der Zeitpunkt der richtige sein, die Erfahrung einer Intimmassage zu machen.

Frauen dürfen sich für ihre Lust entscheiden

Bei uns Frauen ist die Angst davor oft groß, da die Verletzung unser innerstes Zentrum getroffen haben kann und wir vollkommen wehrlos waren, als es passiert ist. Umso wichtiger ist es, uns die Erlaubnis zu geben, Lust empfinden zu dürfen. Sexueller Missbrauch kann eine sehr ambivalente, sexuelle Gefühlswelt zur Folge haben. Die Täter können verführerisch gewesen sein und im Kind ein lustvolles Empfinden erzeugt haben, zu einem Zeitpunkt in dem das Kind das überhaupt nicht einordnen konnte. Als nachhaltige Spätfolge bleibt ein ambivalentes Lustempfinden, Schuld und Scham. Verwirrung, Vertrauensverlust und Unsicherheit gehen damit einher. Wenn wir das auflösen wollen, geht es darum sich Schritt für Schritt dem eigenen Körper anzunähern, Gefühle zuzulassen und neu zuzuordnen. Die Berührung sollte von einer Person durchgeführt werden, die diesen Prozess bei sich selbst absolviert hat und weiß, wie ein sicherer und achtsamer Raum hergestellt werden kann. Es geht darum, das wir uns wieder ermächtigen, unsere Körper zu bewohnen und Lust in ihrer ganzen Vielfalt und Mächtigkeit zuzulassen.

Männer dürfen sich hingeben

Bei Männern sieht es etwas anders aus. Sie sind einem besonderen Leistungsdruck ausgesetzt es bringen zu müssen. Das kann Erektionsstörungen, sowie vorzeitigen Samenerguss (ejakulatio präcox) zur Folge haben. Auch das ist weit verbreitet.
Sexueller Missbrauch hat das Spektrum von gar keinem bis zu einem äußerst aggressiven Sexualverhalten zur Folge. In jedem Fall ist beim Mann die Erfahrung hilfreich, ohne Leistung oder die Erwartungshaltung der Frau, den eigenen Körper ganzheitlich zu fühlen. Männer sind oft im Beckenbereich stark kontrahiert und die sexuelle Energie ist sozusagen im Becken eingesperrt. Das kann die Beckenboden-, Anal- und Prostatamassage lockern. Der Mann kann so lernen, Hingabe zuzulassen, die sexuelle Energie kann ins Herz aufsteigen und sich im ganzen Körper ausbreiten. Das ist ein längerer Prozess, der auch beinhaltet die eigene Liebesfähigkeit zu entwickeln, bzw. auszuweiten. Dabei ist es unerheblich, ob es einen Liebespartner oder Partnerin gibt. Es gibt jederzeit die Möglichkeit bei sich anzufangen. Liebe ist frei und entsteht aus einem offenen Herzen.
Für Männer ist es oft sehr befremdlich, sich ihrer hingebungsvollen Seite zu widmen. Dabei geht es auch darum, gewohnte Berührungsmuster zu verlassen wie z.B.: „Ich muss aber die Frau berühren, um in meine Lust zu kommen.“, oder: „Ich muss auf jeden Fall ejakulieren, sonst halte ich die Spannung nicht aus.“ Zu einem guten Liebhaber gehören immer beide Seiten, sowohl die Hingabefähigkeit, wie auch die aktive Handlungsfähigkeit.
Für das Liebesspiel ist es förderlich beide Parts, den aktiven, wie den rezeptiven Part zu kennen und ausüben zu können. Das gilt sowohl für die Frau, wie auch für den Mann.
Letztlich geht es um die Präsenz und Fähigkeit die körperliche Liebe zuzulassen.
Herzlichst
Bettina