Kubabericht Teil 3

Der Westen Kubas

Nach drei Tagen Havanna waren wir dann froh wieder in die Natur zu fahren. Wir holten unser gemietetes Auto und fuhren gen Westen.
Es gibt auf Kuba wenig Verkehr, aber das was fährt, egal ob Busse, Autos oder Motorräder sind meistens aus den 50er Jahren und wer weiß den wievielten Motor das Fahrzeug enthält.
Schon in Havanna sind uns die alten amerikanischen Schlitten aufgefallen. Daneben die russischen Autos, weniger prachtvoll. Alles aus einer Zeit, als Kuba je nach dem mit welchem Land von beiden, kooperiert hat. Davon hing auch ab, welche Motoren als Ersatzteil zur Verfügung standen.
Die Ausnahmen waren die Mietautos, die jüngeren Datums sind und entsprechend teuer sind auch die Mietpreise. Es muß einer Meisterleistung gleichkommen, westliche, neue Autos nach Kuba einzuführen. Bzw. besteht sie Meisterleistung wahrscheinlich darin, viele Beziehungen in Regierungskreisen zu haben und das nötige Kleingeld dafür.
Da es in Kuba weder TÜV noch Abgasbestimmungen gibt, fuhren wir des öfteren hinter Autos, die die ganze Straße eingerußt haben.
Es war extrem heiß und wir waren froh mit geschlossenen Fenstern und Klimaanlage fahren zu können.
Abseits der Autobahn gibt es so gut wie keine Verkehrsschilder. Da aber der Auto- Stopp eine übliche Art der Einheimischen ist, sich in Kuba fortzubewegen, hatten wir immer unsere Guides im Auto dabei.
Egal ob die Kubaner von oder zur Arbeit fahren, zum Arzt oder Freunde und Verwandte besuchen die Seitenstreifen sind voll mit Anhaltern. Manchmal stehen sie in ganzen Gruppen da und es dauert mitunter Stunden bis sie weiterkommen. Busse fahren selten oder sind zu teuer.
Unsere erste Station im Westen war Las Terrazas und Soroa. Die UNESCO wacht seit 1984 über das Biosphärenreservat Reserva de la Biosfera Sierra del Rosario, das sich vor allem mit der Wiederaufforstung befasst.
Das übrige Land ist extrem trocken und liegt brach. Alles gehört dem Staat und der schafft es nicht, das Land zu bewirtschaften, oder aber Reformen zu erlassen, die das Land bewirtschaftbar machen.
In der grünen Region von Soroa konnten wir einer Vielzahl von Vogelstimmen lauschen. Der im Reiseführer genannte Orchideengarten mit angekündigten 700 verschiedenen Orchideenarten war leider enttäuschend. Der Garten war sehr klein und wir konnten nur wenig Orchideen ausmachen.
In der Region gibt es Schwefelquellen und wir fanden ein Kleinod mit See und Bach mitten in einem Naturschutzgebiet. Ein Zeltplatz mit mehreren wackligen Pfahlbauten, die als Übernachtungsmöglichkeit zu mieten waren und ein Restaurant waren angeschlossen. Wir konnten uns völlig unbekannte Vögel beobachten.
Die etwas wohlhabenderen Kubaner reisten hier gerne zum Wochenende an. Es war auffällig, das mehr Geld auch als mehr Körpergewicht zur Schau gestellt wurde. Außerdem war es ein beliebter Treffpunkt für Judendliche und junge Liebespaare.
Uns war es auch etwas nach Wandern zumute und meine Freundin wollte einem Guirre (Wanderführer) Respekt zollen, indem wir uns von ihm führen ließen.
Nach anfänglicher Skepsis, ich wollte einfach in Ruhe vor mich hinwandern, ließ ich mich darauf ein.
Geplant war eher ein Spaziergang zu einem nahegelegenen Aussichtspunkt. Dort sind wir auch angekommen, aber der Rückweg wurde zu einem Abenteuer. Unser Guirre führte uns größtenteils querfeldein durch den Dschungel mit Dornengestrüpp und Lianen steil den Hang hinauf. Weder waren wir entsprechend angezogen, noch hatten wir Proviant oder genügend Wasser dabei. Es wurde zur Tortur mit zerkratzen Beinen und ohne zu wissen wann es endet. Es blieb uns nichts anderes übrig als uns dem hinzugeben, den zweiten inneren Motor einzuschalten und den Humor nicht zu verlieren. Es wurde zu einer Tagestour und am Ende habe ich einen Berg von Essen verschlungen. Wie sich herausstellte ist unser Guirre den Weg selber zum ersten Mal gegangen, nichtsahnend wie verwachsen er war.
Danach ging es weiter in den Westen in die Gegend von Pinar del Rio, dem Tabakanbaugebiet für die berühmten Kubanischen Zigarren. In Vinales ritten wir durch das Anbaugebiet. Mal abgesehen davon, das die Sättel in sehr schlechtem Zustand waren und ich noch nie länger geritten bin, ging es ganz gut. Es hat mich fasziniert von einem Tabakbauern genau berichtet zu bekommen, wie die Zigarren in Handarbeit gefertigt werden, ohne chemische Zusätze und mit Honig am Ende verklebt. Jedes einzelne Blatt wird von Hand geerntet, gebündelt und zum Trocknen aufgehängt. In großen, hohen Hütten werden die Blätter getrocknet. Für uns Reiter gab es frische Kokosnüsse mit Kokosmilch und Rum.
Zumindest auf Kuba konnte ich als Nichtraucher, dem Zigarrengeruch mit Wohlwollen begegnen.
In dem Ort gab es Abends auch Livemusik mit Salsa. Ich konnte zum ersten Mal Kubaner Salsatanzen sehen. Mit einer Mischung aus Coolness, Geschmeidigkeit und Lässigkeit haben die Männer geführt. Es war beeindruckend und sah so einfach aus.
Mittlerweile war es uns wieder nach Strand und Meer und wir fuhren in das Schnorchel- und Taucherparadies nach Maria La Gorda ganz im Westen.
Es war für mich eine Umstellung jetzt nur noch unter Touristen zu sein. Aber da es nicht so viele waren und die Anlage in großzügige Bungalows aufgeteilt war, konnte ich es nach kurzer Zeit genießen. Es gab dreimal am Tag ein Buffet und es gab zu den vielfältigen Speisen auch Salat und Früchte in Hülle und Fülle.
Und ein kilometerlanger Sandstrand der sich die gesamte Küste dort hinzog. Direkt vor der Haustür etwa ab 500 m waren Korallenriffe mit dem Schnorchel erreichbar.
Es gab etliche Hot Spots zum Tauchen, die mit Booten zu erreichen waren. Wie ich erfahren habe auch ein steil abfallendes Riff in die endlose Tiefe.
So allmählich kam bei uns auch wieder die Lust auf zuhause, auf unsere tantrische Arbeit und unsere Freunde. Die Dankbarkeit was wir für ein erfülltes Leben leben dürfen, auch zuhause, machte sich breit.
Eine Station hatten wir vor dem Rückflug noch vor uns. Durch die klimatisierte Luft im Auto und etliche Erkältete, die wir auf ihrem Weg zum Arzt im Auto mitgenommen hatten, machte sich bei mir ein hartnäckiger Husten breit, bis komplett meine Stimme versagte.
Die letzten zwei Tage verbrachten wir in einem herrschaftlichen Haus mit sehr gepflegtem Garten, Bananenstauden und Palmen mit Abhängen in der Hängematte. Wir waren ganz in der Nähe von unserem Abflughafen Varadero im Norden Kubas. Im Moment gab es „das Sein im Moment“. Wir waren erfüllt von unserer Reise, super erholt und satt von all den Eindrücken und sportlichen Aktivitäten.
Kurz vor dem Abflug fanden wir noch einen Strandzugang in Varadero einer von Hotelanlagen völlig zugebauten Touristenhochburg.
Diese Stelle mit unglaublichem ewig weiten Sandstrand, einer lieblichen Bar und Wellen in denen wir uns vergnügten und mit ihnen spielten war unser würdiges Abschiedsgeschenk.
Tschau Kuba. Ich komme bestimmt wieder. Hasta luego.
Bettina