Kuba Reisebericht Teil 2

Havanna

Havanna war nach drei Wochen jenseits jeglicher Zivilisation, Meer und Ruhe ein krasser Gegensatz. Dennoch habe ich mich auf der Stelle wohlgefühlt und fand die Gegensätze von halbzerfallenen Häusern und daneben schick renovierte koloniale Prachtvillen wunderschön.
Es war eine Umstellung plötzlich an jeder Ecke angesprochen zu werden. Wie wir nach einer Weile herausgefunden hatten, werden für die Kubaner Eigeninitiativen für ihr business gefördert. D.h. sie bekommen Lizenzen, z.B. als Taxifahrer oder eine Caféteria im Wohnzimmer zu betreiben, ein Restaurant oder einen Laden zu unterhalten. Der Preis dafür sind hohe Abgaben an den Staat. Jeder eingenommene CUC, die Touristenwährung und das Zahlungsmittel, mit dem teilweise auch Einheimische bestimmte Waren nur damit bezahlen können, ist willkommen.
Aus der Not heraus sind die Kubaner sehr kreativ, indem was sie alles an Dienstleistungen anbieten.
Jeder in Kuba muß arbeiten. Berufswünsche und Qualifikationen werden dabei weniger berücksichtigt, wenn es dafür keine Stellen gibt. Leider ist das meistens so. So gibt es Arbeiten z.B. im Bau oder zum Putzen, als Guide in Museen oder als Einweiser in den Banken. Alles wird vom Staat kontrolliert. Ein monatlicher Verdienst entspricht 10 bis 20 CUC. Ein Abendessen in den Touristenrestaurants kostet 10 CUC. Nur sehr wenige Kubaner können sich das leisten.
Das Leben in Kuba ist für die Einheimischen geprägt von Improvisation und Überlebensstrategien.
Wohnraum gibt es kaum und Wohnungen werden vom Staat zugeteilt. So ist es für eine junge Familie fast unmöglich eine eigene Wohnung zu bekommen. Meistens leben sie mit den Eltern, Großeltern und Kindern unter einem Dach.
Es gibt kaum Geld dafür Häuser instand zu halten. Und es kommt vor das das Haus einstürzt. Indem Fall bekommt man vom Staat ein anderes zugeordnet. Das kann jedoch an einem weit entfernten Ort sein.
Die Straßenzüge in der vieja Havanna, der Altstadt, sind geprägt von Stützpfeilern an den Häusern.
Daneben gibt es traumhaft schöne Plätze, bezaubernde Museen, wie z.B. das arabische Museum, mit Mosaiken, Tiffanifenstern einem Pfauenpärchen mit Springbrunnen, Palmen, ein Ort zum Verweilen…..
Überhaupt die Innenhöfe der großherrschaftlichen Häuser, wie z.B. im Havanna Club, lohnt sich der Neugier zu frönen und hineinzuschauen. Das Havanna Club Gebäude, ist der Ort mit dem Laden, indem neben dem Rum in allen Qualitätssstufen auch allerlei Fanartikel gekauft werden können und nicht zuletzt die Kubanischen Zigarren. Im Innenhof finden auch Konzerte statt.

In Havanna kann man überall in die Wohnzimmer schauen und so ist es ein öffentliches Leben.
Es gibt kleine Läden in den Wohnzimmern, Caféterias, kleine Restaurants mit zwei oder drei Tischen und im Hintergrund sitzen die Eltern oder Großeltern am Tisch.
Auch die Casa Particular, die privaten Unterkünfte haben den Eingangsbereich unmittelbar durch das Wohnzimmer der Familien.

Was mich doch sehr überrascht hat ist die allgegenwärtige Präsenz von Che Guevara durch Fotos, Gemälde an jeder Haustür, auf jedem Dach. Er ist überall, noch viel stärker präsent als Fidel Castro. In wieweit die Einheimischen damit identifiziert sind, kann ich nicht sagen.
In Gesprächen mit Einheimischen bei längeren Taxifahrten konnten wir schon heraushören, das es ein gewisse Resignation gibt, so wenig Spielraum und Möglichkeiten zu haben, das eigene Leben zu gestalten. Viele Kubaner sind gebildet und sprechen mehrere Sprachen, warten sozusagen auf ihre Chance ins Ausland zu kommen und dort bessere Bedingungen vorzufinden. Die Auslandskubaner versorgen auch ihre Familien in Kuba. Das schafft eine große Erleichterung.

Die großartigen kubanischen Musiker, á la Buena Vista Social Club, die ich an jeder Straßenecke erwartet habe, konnten wir in unserem dreitägigen Aufenthalt dort jedoch nicht entdecken. Wenn es sie in Havanna gibt, hätten wir noch ein paar Insidertips gebraucht um die Konzerte auszumachen. Es war im Vorfeld nicht so einfach auszumachen, was jetzt eine Touristenfalle ist und was wirklich Qualität hat.

Dennoch wird in Kuba wesentlich weniger gejammert, als in Deutschland. Wie wenig ist es doch im Bewusstsein, in welchem Schlaraffenland wir hier leben.
Ich bin mit großer Dankbarkeit und Wertschätzung meines Lebens gegenüber, zurückgekommen. Die Möglichkeiten mich als Frau zu verwirklichen, meinen Beruf frei zu wählen, meine sozialen Kontakte aufzubauen, Schulmedizin und alternative Heilmethoden nutzen zu können, Zeit zu haben mich darüber hinaus politisch zu engagieren, Zugang zu Wissen und Bildung zu haben……Was für ein Reichtum.
Hier in Deutschland habe ich die Wahl all das zu verwirklichen, was ich möchte und dafür die Verantwortung zu übernehmen.
Das setzt die Auseinandersetzung mich sich selbst voraus. Wir folgen hier in Deutschland keiner Tradition, keinem alten spirituellem Wissen mehr, was es nicht immer einfach macht. Wir sind zuständig für unser eigenes Glück und uns Unterstützung zu holen, da wo wir sie brauchen und Unterstützung zu geben, wo wir sie geben können.
Kuba hat mir in einigen Aspekten die Augen weiter geöffnet.
Die Lebendigkeit, die Lebensfreude, das Temperament der Kubaner trotz der Bedingungen, in der sie leben, ist zutiefst beeindruckend und hat mich auch demütig gemacht. Diese Erfahrung kann man machen, wenn man die Sprache spricht und rechts und links neben den Touristenpfaden wandelt. Das ist mit Sicherheit nicht die bequemste Art zu reisen, aber mit Sicherheit die abenteuerlichste.
Ich möchte auf meinen Reisen meine eigenen Grenzen erweitern, auf eine Art, die die körperliche und geistige Gesundheit fördert und das Glück vermehrt.
Auch für unsere kleine Reisegemeinschaft, in Havanna waren wir zu viert und noch zehn Tage danach mit einem Mietauto zu dritt unterwegs, war diese Reise ein unvergessliches Erlebnis.

Mittlerweile begeistert mich auch die Salsa und ich mache meine Erfahrungen und Lernschritte auf einem neuen Terrain.

Im Teil 3 berichte ich über den Westen Kubas

Herzlichst
Bettina Dornics