Kuba Reisebericht Teil 1

Vor der Reise wusste ich schon, dass ich anders zurück kommen würde.
Es war allerdings nicht klar in welcher Veränderung.
Zuerst waren wir zu acht drei Wochen lang auf einem Segeltörn jenseits jeglicher Zivilisation. Die einzigen Menschen, die uns begegnet sind waren Fischer.
Korallenriffe, einsame Inseln und Inselchen, Mangrovenwälder und 12 Stunden Sonne. Traumhafte Sonnenauf- und Untergänge.
Danach in Havanna und eine Reise mit mehreren Stationen in den Westen Kubas.
Es gab viele innere Durchläufe, die mich in eine tiefe Entspannung und Verlangsamung gebracht haben, die auch noch zwei Wochen nach der Reise anhält und die ich nicht mehr verlassen möchte.

Auf der Stelle hat mich schon die Hinreise nach Kuba aus allen Gewohnheiten herauskatapultiert. Die Hinreise hat ungefähr 20 Stunden gedauert.
Langstreckenflüge sind für mich schwierig. Wegen Bahnstreik ausgerechnet an dem Tag mussten wir von Berlin mit einem Mietauto nach Frankfurt zum Flughafen fahren.
Es ging morgens um 5:00 Uhr bei 10 Grad minus los.
Als wir auf Kuba ankamen hatten wir 30 Grad plus. Der Transfer zum Schiff im Süden Kubas dauerte noch mal vier Stunden.
Ich befand mich irgendwo in einer Zwischenwelt zwischen Vorfreude und Erschöpfung und musste mich sehr konzentrieren noch zu funktionieren und Dinge wie Geldwechseln, auf das Gepäck achten, zu bewerkstelligen.
Alles ging wie in Trance und Berlin war ganz weit weg.
So landete ich etwa drei Tage später wieder ganz in meinem Körper und war ab da total im Moment und fühlte mich richtig, da wo ich war.
In der ersten durchsegelten Nacht riß schon gleich mal ein Segel und wir mussten umkehren. Glücklicherweise gab es sofort ein Ersatzsegel im Hafen. Ersatzteile auf Kuba sind keine Selbstverständlichkeit. Die Einfuhr wird sehr erschwert. Obwohl der Tourismus gefördert werden soll, gibt es noch größere Umständlichkeiten. Für uns Europäer war so manches völlig unverständlich. Wir waren ständig herausgefordert, doch in der Gelassenheit zu bleiben. Was anderes blieb uns auch nicht übrig.
Kuba intensiv für Anfänger. So habe ich mich oft gefühlt.
Jeder Tag war aufs Neue eine Lernerfahrung nicht zu reagieren und den eigenen Unzulänglichkeiten mit Humor zu begegnen.
An Bord waren wir acht Menschen, die sich teilweise kannten und befreundet waren, aber auch welche die sich nicht kannten und aus völlig unterschiedlichen Realitäten kamen. Ob es nun den Beruf oder das eigene Wertesystem, die Glaubensätze, den Bewußtseinsstand oder auch die Erfahrung auf See anbelangte.
Es war von vornherein klar, wir werden drei Wochen gemeinsam verbringen. Daran hat niemand gezweifelt. Das fing schon damit an, wie wir mit Nacktheit umgehen. Das erstaunliche war, jeder ließ den anderen, so wie er war. Ob nackt oder nicht nackt, gestylt oder zerzaust. Drei Wochen nahezu ohne Süßwasser, geschweige denn ohne Dusche. Mit einem halben Liter ließen sich alle paar Tage mal die Haare waschen.
Jeder hatte so seinen Spezi, der ihn am meisten getriggert hat. Für mich war es eine spannende Übung, immer mehr dahinterzukommen, was es mit mir zu tun hat, wenn ich getriggert werde und genervt reagiere. Welcher Spiegel wird mir da vorgehalten?
Oftmals konnte ich genau das Verhalten auch in mir finden, was mich an anderen nervt. Wenn es mir klar wurde, konnte ich experimenteller damit umgehen, verschiedene Strategien ausprobieren und besser in Kontakt mit meinem Gegenüber gehen.

Individuelle Vorlieben beim Essen konnten nur teilweise erfüllt werden. Extrawürste waren nicht drin. Wir haben viele Lebensmittel aus Deutschland mitgebracht, da es klar war, das es in Kuba nur begrenzte Einkaufsmöglichkeiten gibt. Langusten und Fisch gab es durch die Fischer in Hülle und Fülle. Alles in Kuba ist staatlich und wahrscheinlich war es den Fischern auch gar nicht erlaubt, Fisch zu verkaufen. Das Tauschmittel war meistens Rum, neben einem geringen Obulus.

Die Fischerstationen erinnerten mich an den Film „Waterworld“. Irgendwo an einem Mangrovenwald eine Hütte auf Stelzen, sehr spartanisch, aber mit Anlegestelle für unseren Katamaran.
Zuerst konnte ich es kaum fassen, wie groß die Langusten waren und wieviel wir bekamen. Bei uns eine sehr kostspielige Delikatesse.

Da wir uns in einem sehr flachen Gebiet gesegelt sind, trafen wir nur einmal ganz kurz Delphine. Ansonsten gab es tägliches Schnorcheln an Korallenriffen, Exkursionen in die Mangrovenwälder und Muschelsuchen an einem der vielen einsamen Strände. Manchmal gab es richtige Muschelfriedhöfe mit tausenden von wunderschönen großen, vielfarbigen Muscheln oder auch Korallenskeletten. Die Spuren so manches Hurrikans waren sowohl in den Korallenriffen, als auch in den abgestorbenen Mangrovenwäldern deutlich zu sehen.

War es windstill in der Nähe der Mangroven, gab es Mücken, auf die nicht nur ich sehr heftig reagiert habe. Trotz Anti-Brumm gab es kein Entrinnen und große Pusteln und heftiges Jucken. Auch hier war Gelassenheit gefragt und die Hoffnung das sich das Blut auf das ungewohnte Gift der unbekannten Mücken einstellt und nach ein paar Tagen das Jucken aufhört.
Naja, es gab auch Sandflöhe und dann ging das Ganze von vorne los.

Alles in Allem war die Reise eine große Horizonterweiterung:
Von Havanna und dem Westen Kubas erzähle ich im zweiten Teil.

Herzlichst
Bettina