Hingabe und Bewusstsein

In letzter Zeit gelingt es mir immer öfter die Zeiträume auszudehnen, in denen ich in Hingabe im Moment verweile, Leichtigkeit und Freude erlebe.
Bisher kannte ich das vor allem durch Grenzerfahrungen in der Natur, sei es beim Segeln oder beim Wandern.

Hingabe heißt, den Moment anzunehmen, wie er ist. D.h. auch wahrzunehmen, wo Widerstand diesen Moment trübt.
Die Erfüllung liegt in uns selbst, in der Hingabe mit dem was ist.
D.h. wir sind in der Lage einen Zustand ekstatisch zu erleben, z.B. durch das Betrachten und Riechen einer Blüte, einen Zustand, indem wir uns nicht wohlfühlen zu verändern, oder wenn das gerade nicht geht, ihn ganz anzunehmen.

Wenn ich Dinge zu tun habe, die mir lästig erscheinen und ich tue es mit Hingabe, weil ich es sowieso tun muß, geht es oft ganz leicht. Ich erreiche Menschen, die mir entgegen kommen und wohlwollend gesonnen sind und es macht Spaß, was vorher lästig erschien. Plötzlich habe ich in einer Warteschlange eine nette Begegnung oder Zeit für Atemübungen.

Eckart Tolle schreibt dazu in seinem Buch „Jetzt“:
„Wenn es keine Freude und Leichtigkeit in dem gibt, was du tust, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass du ändern musst, was du tust. Es reicht möglicherweise aus, das wie zu verändern. „Wie“ ist immer wichtiger als „was“. Sieh zu, dass du dem Tun mehr Aufmerksamkeit gibst, als dem Ergebnis. Was immer der Moment bringt, gib ihm deine ganze Aufmerksamkeit. Dafür musst du auch vollkommen akzeptieren, was ist, denn du kannst nicht deine volle Aufmerksamkeit auf etwas richten und dich ihm zugleich entgegenstellen.“

Die Haltung der Hingabe ist für alle Lebensbereiche ein Schlüssel.
Hingabe ist ein aktiver Vorgang. Es heißt nicht etwas auszuhalten oder in Kauf zu nehmen. Hingabe heißt ich bin in der Lage meinen Raum zu halten, meine Grenzen zu kennen und ein klares „Nein“ und ein klares „Ja“ zu sagen.
Ich nehme mir die Zeit mich kennenzulernen und eigenverantwortlich und selbstbestimmt meinen Weg zu gehen.
Ich wertschätze was ich habe und erkenne destruktive Zusammenhänge.
Ich bin handlungs-und entscheidungsfähig. Bin ich das im Moment nicht, warte ich ab, bis ich es wieder bin.

Das braucht eine gewisse Disziplin in der Achtsamkeit der inneren Prozesse gegenüber. Z.b. ein hochkommendes Gefühl rechtzeitig zu erkennen und festzustellen, welche Gedanken es erzeugt haben.
Wir sind nicht zwanghaft dazu verurteilt aus Gefühlen zu agieren. Ich kann ein Gefühl zulassen und mich darin entscheiden, ob ich ihm weiter folgen will, abwarte bis es vorbei geht oder ein Stop sage. Ich muß mich damit nicht identifizieren.
Auch das ist Hingabe. Ich lasse das Gefühl zu und gehe bewusst damit um, ohne andere zu verletzen oder mein Herz zu verschließen.
Wenn ich von einem Menschen enttäuscht werde und Groll auf ihn hege, richtet sich diese Energie gegen mich. Bleibe ich in der Hingabe und behalte mein Herz offen, muß ich mich möglicherweise von diesem Menschen abgrenzen. Es kann schmerzhaft sein, aber das dauert nicht allzu lange, wenn ich daran nicht meine ganze Erfahrungskette knüpfe, in der mir das schon mal passiert ist.

Jetzt ist eine Chance anders mit Verletzungen umzugehen. Manchmal bin ich auch tricky und versuche etwas neues, mir unbekanntes. Einfach der neuen Erfahrung wegen und um aus einer Routine auszubrechen. Ist das mit Angst verbunden, schaue ich mir die Angst genauer an ohne mich davon lähmen zu lassen. Nicht immer sind die Erfahrungen angenehm oder erfolgreich. Deshalb muß ich nicht mein ganzes Sein in Frage stellen. Besser ist es einen gesunden Humor über sich selber zu entwickeln. Und sind es wichtige Lernerfahrungen ist es gut dran zu bleiben und es so oft zu versuchen, bis es geht oder es sich herausstellt, das es ein Holzweg ist.

Eckart Tolle: „Sobald du den gegenwärtigen Moment würdigst, lösen sich Unglück und Kampf ganz auf, und das Leben beginnt mit Freude und Leichtigkeit zu fließen. Wenn du aus dem Bewusstsein des gegenwärtigen Moments heraus handelst, dann sind Sorgfalt, Wertschätzung und Liebe in allem enthalten, was du tust, sei es auch noch so schlicht.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

Herzlichst
Bettina Dornics