Gesundung in der Sexualität

Eine gesund gelebte Sexualität, ist ein sehr wertvoller und wertschätzender Zugang zu unserer Lebensquelle und zu unserer Lebendigkeit und Freude. Mit gesund meine ich eine Sexualität die frei von Abhängigkeit, Suchtverhalten oder Scham ist. Das orgiastische Potential in ihr ist erlebbar und eine klare Kommunikation mit dem Partner ist selbstverständlich. Sie ist herzöffnend, Gefühle werden bewusst wahrgenommen, sie ist kraftvoll und zärtlich. In meiner längjährigen Berufserfahrung habe ich festgestellt, das dieses tiefe Erleben in der Sexualität den meisten unbekannt ist. Es gibt noch so viel Unkenntnis in der Sexualität und ihrer gesundheitsfördernden Wirkung für den ganzen Organismus und die Seele.

Alle sind wir mehr oder weniger geprägt von sexuellen Übergriffen, Schlägen oder Manipulationen in der Kindheit, die unbewußte Verhaltensmuster in der Pubertät, wie im Erwachsenenalter nach sich ziehen. Nicht selten setzen sich die Verletzungen fort und werden als normal angesehen. Es ist revolutionär aus dieser Wiederholungsschlaufe auszutreten. Es ist ein Weg ins Unbekannte, ins Abenteuer. Es ist der Weg in die Freiheit, in die Grenzenlosigkeit durch die Angst hindurch. Von der Dunkelheit, dem Nebel, ins Licht. Es braucht Mut sich den Lebensthemen zu stellen und der ein odere andere Dämon wird sich in den Weg stellen.

Es ist der Weg Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Manchmal ist eine schwere Krankheit oder ein anderes heftiges Erlebnis der Auslöser, diese revolutionäre Kraft in die Lebendigkeit zu aktivieren. Die Sexualität als gesundheitsfördernde Energie zu aktivieren, ist auf jedenfall auch ein nährender und beglückender Weg und stärkt das Selbstbewusstsein.

Im Tantra und der Tantramassage benutzen wir den Begriff „Yoni“ aus dem Sanskrit für den weiblichen Genitalbereich. Die Yoni ist ein sehr feines, wahrnehmendes und empfangendes Organ. Wie unser ganzer Körper hat sie ein unkorrumpierbares Gedächtnis und hat verletzende, traumatisierende Erfahrungen abgespeichert. Das kann sich durch Gefühllosigkeit, Schmerzen, Ekel bis hin zur totalen Verdrängung der Sexualität äußern.

Viele Frauen finden ihre Yoni nicht schön und berühren sich selbst auch nicht. Ich habe im Kreis von Frauen gelernt meine Yoni, meine Weiblichkeit anzunehmen und habe erfahren, das jede Frau auch ein Aspekt meiner Selbst ist. Wir sind sehr vielfältige Wesen und so ist auch unser Ausdruck in der Sexualität sehr vielfältig und komplex. Es ist wichtig das unseren Geliebten mitzuteilen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln. So kann sich ein friedvolles und erfüllendes Miteinander kreieren. In der Nacktheit unseres Körpers, im Genitalbereich liegt oft eine große Scham und Sprachlosigkeit. Unkenntnis darüber wie wir uns mitteilen können, Heimlichkeit und Tabuisierung der Sexualität in der Familie, Übergriffe und Abwertung können hierfür Ursachen sein. Es ist nicht üblich Heranwachsende kundig und liebevoll in die Sexualität zu initiieren. Es gibt kaum Vorbilder in den Eltern, da es ihnen oft genauso erging. Es liegt an uns das nachzuholen und es ist möglich.

Das heißt wir können uns Wissen aneignen und unsere Berührbarkeit und Empfindsamkeit fördern. Eine Möglichkeit ist für Frauen die Yoni-Erweckung. Mir gefällt dieser Begriff noch besser als die Yoni-Heilmassage und er trifft oft zu. Die meisten Yonis, die ich berühre „sprechen“ und sind bereit sich berühren zu lassen, wenn es liebevoll, achtsam und würdevoll stattfindet. Lang verschüttete Emotionen können auftauchen und möchten beachtet werden. Wie schön ist doch eine absichtslose Berührung, die mich als Frau würdigt und in einer Selbstverständlichkeit zum Ausdruck kommt.

Bevor es zur Yonimassage übergeht wird der ganze Körper massiert und energetisiert. Bei Frauen sind oft Bauch, Brüste und die Innenseite der Oberschenkel sehr sensible und erogene Zonen. Jede Frau möchte anders berührt werden, reagiert auf andere Impulse und es ist von der momentanen Verfassung abhängig, was gerade angemessen und wohltuend ist. Ich achte dabei sehr auf den Atem und wie der Körper reagiert. Versuche sozusagen in der Körperlandschaft zu lesen. Das ist ein intuitiver Vorgang. Ich lasse mich von der Frau führen und fühle mit. Langsamkeit, Innehalten, Zulassen sind dabei ganz wichtig. Es geht nicht darum ein Ziel zu erreichen, sondern um die Reise an sich und den Moment zu erleben. Manchmal geht es ganz leicht, manchmal ist Geduld gefragt. Manchmal ist es leise, es kann aber auch laut und ungestüm sein und alle Nuancen dazwischen. Ich habe noch nie eine Tantramassage einer Frau gegeben, die gleich war wie eine andere. Ich habe auch noch nie eine Tantramassage empfangen, die gleich war wie eine andere. Auch nicht von der gleichen Masseurin oder dem gleichen Masseur.

In der Yoni, wie beim Mann am Lingam (Penis) sind auch die Reflexzonen der inneren Organe angesiedelt. So kann eine Massage, wie auch bestimmte Stellungen beim Liebesakt durchaus förderlich sein, gewisse Organe zu stimulieren und gesundheitsfördernde Wirkungen auszulösen. Ausführlich wird das im Tao der Sexualität von Dr. Stephen Chang beschrieben. Massagen an den unteren Chakren, dem Wurzelchakra und dem Sexualchakra haben eine erdende Wirkung. Sind die unteren Chakren blockiert kann auch keine Energie aufsteigen. Der ganze Beckenbereich ist die Verbindung zwischen der unteren und der oberen Körperhälfte. Wird hier eine Lockerung erreicht ist das befreiend und erleichternd. Die Energie kann durch den ganzen Körper fließen und der Genitalbereich kann zum Herzen in Verbindung treten. Geerdet zu sein und gut in unserem Becken beheimatet zu sein, stärkt die Standhaftigkeit, die Fähigkeit gut für uns zu sorgen, stärkt den Mut, den eigenen Willen, die Fähigkeit ein klares Nein, sowie ein klares Ja zu sagen. Kurzum es macht uns selbstbestimmter. Es lohnt sich also dafür zu gehen.

Herzlichst Bettina Dornics