Einlassen auf das Mitgefühl


Das allumfassende Gefühl, oder besser gesagt, der allumfassende Zustand ist das Mitgefühl. Diejenigen, die damit auf die Welt kommen, sind gesegnet. Das sind die Menschen, die möglicherweise schon mehrere Inkarnationen in höheren Bewusstseinsebenen mit großer Disziplin verbracht haben.
Ob wir uns mehrmals inkarnieren ist eine Glaubensfrage, da es eventuell schwer ist sich an frühere Leben zu erinnern. Die Erweiterung, die Ausdehnung unseres normalen alltäglichen Bewusstseins ist die Voraussetzung dafür. Ich glaube daran und manchmal tauchen Erinnerungsfetzen auf. Dennoch interessiert mich am meisten meine aktuelle Inkarnation. Das Leben im Jetzt und die Möglichkeit das beste daraus  zu machen.
Durch eine schwere Erkrankung, bei der ich dem Tod schon ziemlich nahe war, hat sich mir eine Tür zum Leben eröffnet, die den Tod nicht mehr verdrängt. Das Dasein gestaltet sich dadurch wesentlich angstfreier und entspannter. Mitgefühl ist die Essenz, die sich strahlend und kraftvoll erhebt, wenn wir durch Ängste, Wut und Trauer hindurchgegangen sind. Dazu gehört auch die Überwindung von Selbstmitleid, Selbstverurteilung und schlechtem Gewissen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn das Mitgefühl gestört wird. Mich überkommt manchmal eine mächtige Wut, die vernichtend sein kann. Nicht, dass ich körperlich gewalttätig sein würde, sondern vielmehr verbal verletzend.
Mittlerweile habe ich gelernt in diesem Zustand erst einmal nicht zu reagieren. Es passiert nur noch selten, das ich der Wut ungestalteten Ausdruck verleihe. Für mich finde ich den Zustand der Wut manchmal heilsam und kann Verbindungen zu falschen Erwartungen durchschneiden. Dennoch ist es für nahestehende Menschen sehr unangenehm, wenn sie davon getroffen werden. Heilsam ist es für mich deshalb, weil ich einer Energie Ausdruck verleihe, die auch mit Empörung, Enttäuschung, gegebenenfalls auch mit sich-missverstanden-fühlen und nicht- gesehen-fühlen zu tun hat. Diese Energie staut sich nicht in mir, sondern wirkt wie ein reinigendes Gewitter und ist danach dann auch vorbei. Sie hat etwas egoistisches, da ich in der Wut nur meinen eigenen Standpunkt sehe und nicht mehr  mit der Situation meines Gegenübers verbunden bin.
Mir gefällt der Begriff der „emotionalen Eskalation“ gut. Ich habe an mir geforscht, wie ich den Zustand der emotionalen Eskalation vermeiden kann. Die Eskalation hat immer einen hohen Energieverlust zur Folge. Diese Energie möchte ich lieber dafür verwenden, etwas aufzubauen oder für mich als Lebensenergie zu behalten. Ich habe auf meiner Forschungsreise in mein Inneres entdeckt, dass vor der Emotion zuerst der Gedanke kommt. Oftmals ein ganzes Gedankenbündel, vermischt mit allen möglichen Glaubenssätzen und den daraus resultierenden Erfahrungen. Ergo kreiere ich mir alles, was um mich herum passiert, selbst.
Es geht also darum die Gedanken schon am Ursprung zu erfassen, bevor die Emotion eintritt. Das ist ein enorm schneller Vorgang und so bedarf es einiger Übung und Disziplin, sich selbst auf die Schliche zu kommen. Dafür habe ich mir in der Vergangenheit viel Zeit genommen und konnte dem Ganzen sogar einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen. Ich hatte keine Ahnung wo mich das hinführen würde. Jedoch hatte ich gründlich die Nase voll von meinem eigenen Schwachsinn, oder den zwanghaften, unbewussten Wiederholungen. Ich wollte Verantwortung für mein Handeln übernehmen und mich selbst ermächtigen in Aktion zu gehen. Das hieß auch, nicht mehr das Opfer meiner selbstkreierten Emotionen zu sein.
Anfangs ist mir das nicht besonders gut gelungen. Ich saß da und es ging mir schlecht, bis hin zu depressiven Zuständen. Ich habe dann entdeckt, dass es hilfreich war darauf nicht zu reagieren und mich nicht darin einzugraben. Wichtig war jedoch mich nicht nur abzulenken, sondern den Zustand auszuhalten und gewissermaßen „auszusitzen“. Die Talfahrten in den Abgrund wurden mit der Zeit immer kürzer und siehe da, was tauchte auf? Das Mitgefühl!
Im Mitgefühl zu sein ist großartig. Es macht nicht nur unendlich glücklich, sondern schafft auch eine Verbindung zu allem Lebendigen. Es versetzt einen ins Staunen wie schön unsere Welt ist. Mitgefühl möchte bewahren und verschließt sich auch nicht vor Entsetzlichem oder vor Katastrophen. Wenn ich im Mitgefühl bin, lasse ich mich vom Schlimmen nicht mehr in den Abgrund ziehen, mich lähmen oder zu Handlungen im Affekt verführen, sondern ich bleibe nüchtern und bedacht für konstruktive Gedanken und planvolles Handeln. Manchmal ist es nur möglich positive Gedanken zu senden. Aber das ist auch schon viel. Viele gleiche Gedankenfelder schaffen Realität.
In dem Buch von „Barbara Marciniak – Wege zum Licht“ [S. 68] habe ich gelesen:
Sobald ihr besser mit eurer Vorstellungskraft umgeht, könnt ihr auch freier und kreativer mit euren inneren psychischen Mechanismen arbeiten, was wiederum eurer Wohlbefinden erhöht. Unbegrenzte Möglichkeiten warten darauf, von euch entdeckt zu werden. Ihr könnt euch viel Geld und harte Arbeit sparen, wenn ihr euch in der Kunst des inneren Selbstmanagements übt und lernt eure Aufmerksamkeit nach innen zu richten.
In unserer heutigen Zeit ist es immer mehr angesagt, uns von dem Konsum, der Verblendung und Verarschung von Seiten der Mächtigen mit Geld, die die Manipulation der Politiker und des Volkes mit aller Macht aufrechterhalten wollen, gründlich zu verabschieden. Bescheidenheit, Neugier, Staunen und das Entdecken der Gewissheit, das wir selbst unser Leben kreieren sind wesentlich gesünder und machen zudem mehr Spaß.
Alles was wir dazu brauchen ist in uns selbst enthalten.

Herzlichst,  Bettina