Eigenverantwortung und Selbstliebe

In meiner täglichen Tantramassage-Praxis und auch in meinem Freundeskreis begegnen mir immer wieder Einschränkungen des voll gelebten Lustpotentials, der Hingabe- und Orgasmusfähigkeit und des frei fließenden Atems.
Die Gefühle, wie Wut, Trauer, Glück, Schmerz, Mitgefühl, Liebe sind oftmals abgespalten und haben keinen unmittelbaren Ausdruck.
Leider sind wir davon alle mehr oder weniger betroffen und das scheint in der heutigen Zeit völlig „normal“. In der Partnerwahl suchen wir uns unbewußt ein Gegenüber, welches uns die eigenen Verletzungen immer wieder spiegelt, wenn wir uns das nicht bewußt machen.
War der Vater z.B. manipulativ, gewalttätig oder abwertend, kann es sein, das der männliche Partner genau das wieder ist. Liebe und Anerkennung suchen wir vergeblich bei einem gewalttätigen Partner, auf den wir die Vaterprojektion geworfen haben.
Solange in einer Partnerschaft die Projektionen nicht durchschaut werden, ist es unmöglich aus einer sogenannten Co-Abhängigkeit in ein liebendes Verhältnis einzutreten.
Wenn ich von Partnerschaft spreche, beziehe ich die Varianten, von monogam, polygam, heterosexuell und gleichgeschlechtlich mit ein. Jedoch immer unter Erwachsenen.
Der Partner ist nicht zuständig für unser Glück, noch dafür einen Mangel zu beheben, zu dem wir selber nicht in der Lage sind. Noch nichtmal für unsere sexuelle Erfüllung. Natürlich ist es wunderschön wenn die Fülle und Ekstase zwischen Geliebten gelebt werden kann.
Als erwachsene Menschen sind wir voll für uns verantwortlich. Liebe fängt bei Selbstliebe und Selbstannahme an. Wie soll mich ein Mensch oder mehrere Menschen lieben, wenn ich es selber nicht tue, erstarrt bin vor Angst oder versunken in Minderwertigkeitskomplexen. Das macht mich immer wieder anfällig für Verletzungen. Dennoch gehört das der Vergangenheit an und es ist möglich aus der Identifikation damit auszutreten.
Es gibt verschiedene Wege zum Erwachen zu gelangen. Da wir im Westen keiner einheitlichen Tradition angehören, noch die wenigsten eine Initiation weder in die Sexualität noch in den Übergang zum Erwachsenensein erfahren haben, bleibt es uns überlassen, welchen Weg wir wählen.
Eine tragfähige Partnerschaft kann dann wachsen, wenn die Entwicklung jedes einzelnen über den Partner hinausgeht. D.h. beide haben ein Gefäß oder einen Weg, indem ihr Bewußtsein gedeihen
kann und Intimität und Vertrauen miteinander entsteht.
Der Partner ist immer auch Spiegel und manchmal ist das schmerzhaft. Es geht aber nicht darum Schmerz zu vermeiden, sondern ihn zuzulassen.
Ich mache immer wieder die Erfahrung das der Schmerz „auszuhalten“ ist und vorbeizieht. Danach bin ich reicher geworden an Empfindsamkeit und Kraft.
Nur abgesplaltene Gefühle, die sich manchmal in Überreaktionen Ausdruck verleihen, sind destruktiv und können gewalttätig sein. Hass ist gefrorene Liebe.
Es geht um die Eigenverantwortung und die Fähigkeit mich entscheiden zu können, für ein Ja oder für Nein. Und auch darum mir das Wissen für meine sexuelle Erfüllung anzueignen, wenn mir das wichtig ist. Das kann ich dann meinem Partner mitteilen und ihn auf die Reise mitnehmen.

Kraftvolle Grüße
Bettina Dornics