Den eigenen Raum halten!

Als wollte mir das Universum ein Schnäppchen schlagen, wurde ich auf eine harte Probe gestellt.
Ein paar Wochen nach der letzten göttlichen Verschmelzung stand eine neue Verabredung mit Shiva an.
Diesmal waren die Vorboten zugespitzt heftiger.
Der Termin verschob sich, ich habe es erst durch meine Nachfragen erfahren und er verschob sich ein zweites Mal was mich in einen heftigen Wutanfall versetzte. Unmittelbare Wut kann ich mittlerweile gut nehmen, da sich dadurch in mir nichts anstaut. Sie ist nicht destruktiv, sondern reinigend und geht meist schnell vorüber.

An dem verabredeten Tag leitete ich vormittags in meiner Praxis einen wundervollen und nährenden Frauenkreis. Wir beschlossen etwa alle sechs Wochen kontinuierlich zu bestimmten Themen weiterzumachen.

Danach war die Verabredung mit Shiva und ich habe die Vorbereitungen für das Treffen teilweise am Tag vorher gemacht.
Es war schönes Wetter und ich habe versucht, Shiva anzurufen um ihn zu fragen, ob wir noch gemeinsam einen Spaziergang unternehmen. Ich konnte ihn nicht erreichen und auch eine Stunde später nicht. Ich spürte wie die Wut allmählich wieder aufstieg und habe mir gesagt: “Laß dich davon jetzt nicht kriegen, du hattest so eine tolle Zeit mit den Frauen, tue etwas was dein Herz erfreut, anstatt in die Wut zu gehen. So setzte ich mich in eins meiner Lieblingscafés und entspannte mich.
Zwei Stunden später konnte ich ihn immer noch nicht erreichen und der Gedanke stellte sich ein, das vielleicht etwas passiert ist.
Zuhause angekommen war ich in einem etwas unruhigen Zustand.
Drei Stunden später immer noch nichts und ich glaubte nicht mehr an den Besuch.
Vier Stunden nach der verabredeten Zeit klingelte es und er kam.
Für mich war der Bogen überspannt und ich war sehr wach für das, was dann geschah.
Er hat in einem Workshop assistiert, der zum Einen wesentlich länger ging, als erwartet und zum anderen hatte er in der Zwischenzeit auch soviel Interesse entwickelt, das er bis zum Schluß bleiben wollte. Kommuniziert hat er das nicht mit mir.
Als er dann da war, war es mir nicht möglich ihn anzublicken. Es kam mir ganz viel Feindseligkeit entgegen. Subtil war er gemein, geringschätzend, respektlos und voller Hass.
Der Geschlechterkampf zeigte sich mit seiner hässlichen Fratze. Ich brauchte ein kurze Weile um zu begreifen was mir da entgegen schlägt.
Ich erinnerte mich wie ich bei den Frauen gesagt habe: „Das es sehr wichtig ist, das wir Frauen unseren Raum halten und uns treu bleiben.
Sehr schnell war mir klar, das der Hass der mich jetzt treffen soll, nichts mit mir zu tun hat. Unbewußt wollte er mich vernichten.
Es kam mir immer wieder der Gedanke, das er etwas abwehrt, weil er denkt ich will ihm etwas wegnehmen.

Ich war die Projektionsfläche für seinen Frauenhass, wo auch immer der seine Wiege hat. So klar hatte ich das vorher noch nicht gesehen. Anfänglich haben wir noch versucht miteinander zu reden. Jedes meiner Worte wurde sofort gegen mich verwendet und es gab überhaupt keine Chance irgendwie in Kontakt zu kommen. Als er dann ein hämisches Grinsen im Gesicht hatte, kam mir seine Verachtung entgegen. Er hat alles versucht mir eine Reaktion zu entlocken.
Ich war mir bewusst das ich das, was Abwehr erzeugen kann, wie „Schmachten, Bedürftigkeit, Anhänglichkeit, Kontrolle usw. weitestgehend abgelegt hatte. Das habe ich in den letzten zwei Jahren gelernt.
Er meinte noch: “Das kann doch nicht So einfach sein.“

Alles was sich in den Wochen von unserer letzten Begegnung zu der jetzigen an Abwehr bei ihm aufgebaut hatte war nicht aktuell auf eine gemeinsame Erfahrung zurückzuführen.

Die letzte Begegnung war sehr berührend und grenzerweiternd und wir haben sogar darüber gesprochen wie uns diese körperliche Liebe, auch auf einer Seelenebene verbindet.
Plötzlich hatte sich alles in das völlige Gegenteil gedreht.
Ich bat ihn zu gehen.

Jetzt ging es nur noch darum mich zu schützen und zwar so, das mein Herz offen bleiben kann. Ich saß im Schneidersitz auf dem vorbereiteten Liebeslager, atmete in mein Herz und wendete den Blick aus dem Fenster zum Vollmond. Ich machte mir den Mond zum Verbündeten diese Situation unbeschadet zu überstehen.
Ich wurde zum Buddha. Ich schwieg und atmete weiter in mein Herz den Blick hin zum Mond.
Die Luft war vor lauter Spannung fast zum Schneiden. Ich atmete weiter in meine Mitte und konnte die Spannung aushalten. Ich musste einmal etwas kämpfen, um nicht in einen hysterischen Lachanfall auszubrechen.
Ich konnte ihn weiterhin nicht anblicken. Er war unentschieden und ganz auf sich zurückgeworfen. Ich bot ihm keine Angriffsfläche.
Ich achtete darauf nicht in Wut, Trauer oder Schmerz zu geraten. Ich wollte mir von ihm keine Energie rauben lassen. Ich wollte ihn auch nicht beschwichtigen. Er hatte eine Grenze überschritten. Die ganze Situation hatte etwas Entgültiges.

Mittlerweile war er aus dem Zimmer im Flur und hatte sich wohl die Schuhe und die Jacke angezogen. Es dauerte eine Ewigkeit bis er ging und ich wusste wenn er die Tür hinter sich zuzieht, hat er die Tür zu meinem Herzen für sich verschlossen.

Kaum war er weg klingelte bei mir das Telefon mehrfach hintereinander. Ich hatte den ganzen Abend tolle Gespräche und das hat mich weiter stabilisiert.

Heute einen Tag später bin ich immer noch stabil in meiner Mitte und stolz auf mich, das ich meinen Raum halten konnte.
Ich kann nur dann verletzt werden, wenn ich es zulasse.

Mein Herz ist offen geblieben und ich werde mich wieder einlassen.

Ich bin glücklich darüber diese Lektion gelernt zu haben und einen Schritt in meinem Bewusstsein weitergekommen zu sein.

Sich einzulassen, hinzugeben und verletzlich zu sein birgt immer auch ein Risiko in sich.
Die Angst des Mannes vor der Lust der Frau ist ja tausende von Jahren alt. Im Mittelalter wurden die Frauen für Ihre Lust und ihr Heilwissen verbrannt.

Ich musste am eigenen Leib erleben das ich für meine Hingabe und Ekstase verachtet werde. Nicht in dem Moment der Vereinigung, da ist Shiva mitgegangen und kam in seine männliche Kraft, aber im nachhinein.
Was für mich transformierende Kraft hatte, mich immer weiter zu öffnen, triggerte in ihm die Angst vor dieser Unendlichkeit.
Es hat den unbewußten Drang zur Folge, das was man eigentlich am meisten liebt zu zerstören…

Ich glaube dieser Vorgang, den ich jetzt so ausführlich beschrieben habe, passiert ganz oft zwischen Mann und Frau.
Ein friedvolles Miteinander entsteht dann, wenn beide den eigenen Abgrund wahrnehmen und das Gegenüber nicht als Projektionsfläche für die eigenen Ängste und Verletzungen destruktiv und unreflektiert benutzen.
Dennoch sind wir unvermeidlich auch Stellvertreter für die erste Liebe zur Mutter oder zum Vater. Und bis wir es begriffen haben, suchen wir uns auch immer wieder die ähnlichen Typen aus oder geraten in ein ähnliches Verhaltensmuster.
Deshalb sind Beziehungen auch so eine große Herausforderung, da wir uns permanent bespiegeln.
Ich gehe davon aus, das wir uns als fühlende und sexuelle Wesen inkarniert haben um aneinander zu wachsen.
Ich bleibe der bedingungslosen Liebe treu und werde weiterforschen, wie sich das im Kontakt zum Mann leben lässt.

Herzlichst
Bettina